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Der Weihnachtsmann kommt in den Knast

Geschrieben von Fred Staffen
Erschienen ist das Gedicht in einem Sprachenlehrbuch für Deutsche Sprache (Finnland) mit dem Buchtitel "Zusammen" zusammengestellt von Roman Schatz ISBN 951-1-17201-8



Lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt ist`s soweit, jetzt bist du dran.
Mein Chef ist nämlich Rechtsanwalt.
Der klagt dich an, der stellt dich kalt.

Schon seit vielen hundert Jahren,
bist du nun durch das Land gefahren,
ohne Nummernschild und Licht.
Auch TÜV und ASU gab es nicht.

Dein Schlitten eignet sich nur schwer,
zur Teilnahme am Luftverkehr.
Es wird vor Gericht zu klären sein:
Besitzt du 'nen Pilotenschein?

Durch den Kamin ins Haus zu kommen,
ist rein rechtlich streng genommen
Hausfriedensbruch - Einbruch sogar.
Das gibt Gefängnis, das ist klar.

Und stiehlst du nicht bei den Besuchern,
von fremden Tellern Obst und Kuchen?
Das wird bestraft, das muss man ahnden.
Die Polizei lässt nach dir fahnden.

Es ist auch allgemein bekannt,
du kommst gar nicht aus diesem Land.
Wie man so hört, steht wohl dein Haus
am Nordpol, also sieht es aus,
als kämmst du nicht aus der EU.
Das kommt zur Klageschrift dazu!

Hier kommt das Deutsche Recht zum Tragen.
Ein jeder Richter wird sich fragen,
ob deine Arbeit rechtens ist,
weil du ohne Erlaubnis bist.

Der Engel, der dich stets begleitet,
ist minderjährig und bereitet
uns daher wirklich Kopfzerbrechen.
Das Jugendamt will mit dir sprechen!

Jetzt kommen wir zu ernsten Sachen.
Wir finden es gar nicht zum Lachen,
dass Kindern du mit Schläge drohst.
darüber ist mein Chef erbost.

Nötigung heißt das Vergehen
und wird bestraft, das wirst du sehen,
mit Freiheitsentzug von ein paar Jahren
aus ist's dann mit dem Schlittenfahren.

Das Handwerk ist dir bald gelegt,
es sei denn dieser Brief bewegt,
dich die Kanzlei reich zu beschenken,
dann wird mein Chef es überdenken.

 

Frohe Weihnachten euch allen (=

1 Kommentar Sonna am 24.12.07 09:00, kommentieren

Arno-Rap

Ich weiß jetzt nicht, ob das für Außenstehende so lustig ist, aber ich finds toll. ^^ Schon allein der Anfang...

1 Kommentar Sonna am 19.12.07 23:04, kommentieren

Weihnachtsgeschichte

Weihnachten. Womit verbindet man Weihnachten? Mit dem Duft von Zimtsternen und Plätzchen, mit Lichterketten in den Bäumen, mit Kerzenflackern und gemütlichen Abenden am Kaminfeuer. Mit Geschichten und Liedern, mit einer Welt aus Zuckerwatte, vielleicht auch mit dem großen Mann mit dem Rauschebart. Die Welt ist dann wie verzaubert, ein Märchenland voller kleiner Wunder, die einen jeden Tag aufs Neue überraschen.

Genau so stellte sich auch Marie Weihnachten vor. Oft genug hatte sie es schon gefeiert, siebenmal bis jetzt, und immer wieder hatte sie der Duft der Kerzen und dieses nervenzehrende Warten auf den heiligen Abend mit einer Freude erfüllt, die es nur zu dieser Zeit geben konnte. Mit eben dieser freudvollen Erwartung stand sie schon in der Zeit vor dem Advent jeden Tag auf, ging damit in die Schule und behielt sie den ganzen Tag über. Weihnachten, das war einfach die tollste Zeit im Jahr, auf die sie sich immer wieder freute.

Aber Marie war krank.

Der Hausarzt hatte die kleine Familie in ein Krankenhaus geschickt, in dem man bald feststellte, dass Marie an einer unheilbaren Krebsart erkrankt war und ihr nicht mehr viel Zeit zu leben blieb. Ja, es war ein gewaltiger Schock, als Maries Eltern diese Nachricht erhielten. Ihr kleines Mädchen sollte Krebs haben… Dass man ihnen riet, dem Kind jeden Wunsch zu erfüllen, ja, von den Augen abzulesen, beherzigten sie nur zu gerne. Marie hätte alles haben können – Reisen in ferne Länder, die Puppe, die sie schon so lange haben wollte, ein neues Zimmer… Aber sie wollte doch nur ein schönes Weihnachtsfest haben. Einzig und allein das war ihr Wunsch, denn langsam begannen auch schon die Vorbereitungen für die Adventszeit.

Aber die Zeit drängte, es war nicht sicher, ob Marie an dem heiligen Abend überhaupt noch leben würde. Und wenigstens diesen einen Wunsch wollte man ihr erfüllen – aber wie? Ihr Vater redete eines Abends mit dem Dorflehrer darüber und der hatte die zündende Idee. Weihnachten sollte einfach verschoben werden!

Die Zweifel waren schnell wie weggeblasen, als sich die Ladeninhaber dazu bereiterklärten, alles weihnachtlich zu gestalten, die Mütter und Väter, die Lehrer sangen Weihnachtslieder in der Schule… Der Konditor hatte wie jedes Jahr ein großes Schiff aus Schokolade in sein Schaufenster gestellt, vor dem die Kinder standen und sich die Nasen platt drückten. Ja, auch die Kinder spielten mit, das ganze Dorf wurde nur von dem schrecklichen Schicksal Maries zusammengehalten. Und auch als der Pfarrer gefragt wurde, erklärte er sich einverstanden. Ja, er konnte das Weihnachtsfest verschieben.

Und so ging es dann in dem Dörfchen los, die Mütter buken Plätzchen mit ihren Kindern, Weihnachtsbäume wurden geschmückt, Geschenke verpackt und bald zog der herrliche Duft nach Weihnachten in jedes kleinste Winkelchen des Dorfes. Als Marie sich über den ungewöhnlichen Zeitpunkt Weihnachtens wunderte, erklärte man ihr, das wäre so. Auch Ostern fiele ja schließlich immer auf einen anderen Tag, so wäre es dieses Jahr mit Weihnachten auch – und so freute sich das Mädchen einfach nur über all die wundersamen Dinge und genoss jeden neuen Tag in dieser Märchenwunderwelt.

Und so rückte der heilige Abend heran, man hatte ihn für den zweiten Advent geplant. Das Warten wurde immer spannender und es fiel sogar Schnee. Jene Watte, die das Dorf von einen Tag auf den anderen vollkommen verändern konnte. Es wurde das schönste Weihnachtsfest, was Marie je gehabt hatte.

Drei Tage später war Marie tot.

Diese Geschichte hat uns heute der Pater im Gottesdienst erzählt. Irgendwie hat sie mich berührt, deswegen hab ich sie aufgeschrieben. Sie beruht auf einer wahren Begebenheit.

Sonna am 14.12.07 20:08, kommentieren

Rihanna auf bayerisch

Ähem... jah. ^_^
Was soll ich sagen? Das Video ist so blöd, dass es einfach Kult ist. Und unter Garantie besser als das Original.

Morgiana am 30.9.07 17:11, kommentieren

Wenn die Haifische Menschen wären

von Bert Brecht

"Wenn die Haifische Menschen wären, fragte Herrn K. die kleine Tochter seiner Wirtin, "wären sie dann netter zu den kleinen Fischen?"

"Sicher", sagte er. "Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie im Meer für die kleinen Fische gewaltige Kästen bauen lassen, mit allerhand Nahrung drin, sowohl Pflanzen als auch Tierzeug. Sie würden dafür sorgen, dass die Kästen immer frisches Wasser hätten, und sie würden überhaupt allerhand sanitärische Maßnahmen treffen, wenn z.B. ein Fischlein sich die Flosse verletzten würde, dann würde ihm sogleich ein Verband gemacht, damit es den Haifischen nicht wegstürbe vor der Zeit.

Damit die Fischlein nicht trübsinnig würde, gäbe es ab und zu große Wasserfeste; denn lustige Fischlein schmecken besser als trübsinnige.

Es gäbe natürlich auch Schulen in den großen Kästen. In diesen Schulen würden die Fischlein lernen, wie man in den Rachen der Haifische schwimmt. Sie würden z.B. Geographie brauchen, damit sie die großen Haifische, die faul irgendwo rumliegen, finden könnten. Die Hauptsache wäre natürlich die moralische Ausbildung der Fischlein. Sie würden unterrichtet werden, dass es das Größte und Schönste sei, wenn ein Fischlein sich freiwillig aufopfert, und sie alle an die Haifische glauben müßten, vor allem, wenn sie sagten, sie würden für eine schöne Zukunft sorgen. Man würde den Fischlein beibringen, dass diese Zukunft nur gesichert sei, wenn sie Gehorsam lernten. Vor allen niedrigen, materialistischen, egoistischen und marxistischen Neigungen müßten sich die Fischlein hüten, und es sofort melden, wenn eines von ihnen solche Neigungen verriete.

Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie natürlich auch untereinander Kriege führen, um fremde Fischkästen und fremde Fischlein zu erobern. Die Kriege würden sie von ihren eigenen Fischlein führen lassen. Sie würden die Fischlein lehren, dass zwischen ihnen und den Fischlein der anderen Haifische ein riesiger Unterschied bestehe. Die Fischlein, würden sie verkünden, sich bekanntlich stumm, aber sie schweigen in ganz verschiedenen Sprachen und könnten einander daher unmöglich verstehen.Jedem Fischlein, das im Krieg ein paar andere Fischlein, feindliche, in anderer Sprache schweigende Fischlein, tötete, würde sie Orden aus Seetang anheften und den Titel Held verleihen.

Wenn die Haifische Menschen wären, gäbe es bei ihnen natürlich auch eine Kunst. Es gäbe schöne Bilder, auf denen die Zähne der Haifische in prächtigen Farben, ihre Rachen als reine Lustgärten, in denen es sich prächtig tummeln läßt, dargestellt wären.

Die Theater auf dem Meeresgrund würden zeigen, wie heldenmütige Fischlein begeistert in die Haifischrachen schwimmen, und die Musik wäre so schön, dass die Fischlein unter ihren Klängen, die Kapelle voran, träumerisch, und in der allerangenehmste Gedanken eingelullt, in die Haifischrachen strömten.

Auch eine Religion gäbe es ja, wenn die Haifische Menschen wären. Sie würde lehren, dass die Fischlein erst im Bauche der Haifische richtig zu leben begännen.

Übrigens würde es auch aufhören, dass alle Fischlein, wie es jetzt ist, gleich sind. Einige von ihnen würden Ämter bekommen und über die anderen gesetzt werden. Die ein wenig größeren dürften sogar die kleineren fressen. Dies wäre für die Haifische nur angenehm, da sie dann selber öfter größere Brocken zu fressen bekämen. Und die größeren, Posten innehabenden Fischlein würden für die Ordnung unter denn Fischlein sorgen, Lehrer, Offiziere, Ingenieure im Kastenbau werden.

Kurz, es gäbe erst eine Kultur im Meer, wenn die Haifische Menschen wären."

 
[Morgiana]

1 Kommentar arcenciel am 8.5.07 19:07, kommentieren