Stimmungswechsel

Wie kommt es nur, dass ich in den Tagen vor Weihnachten immer viel weihnachtlicher gesinnt bin, als Weihnachten selbst?

Wir haben sogar Schnee. Heute Nacht hat sich heimlich, still und leise eine weiße Decke über die Welt gelegt. Pünktlich, wie bestellt. Dabei war ich mit meinen Raureif-Weihnachten ganz zufrieden. Eigentlich schade, dass der Reif nun weg ist. Der hat sich so schön angehört, wenn man an einen Ast gekommen ist. Wie tausend winzige Glöckchen...

Im Haus riecht es langsam nach Sauerkraut. Sauerkraut, gibt's das auch wo anders? Bei uns ist das das traditionelle Weihnachtsessen. Würstchen und Sauerkraut.
Mir ist gar nicht nach Würstchen und Sauerkraut.

Nach Tannennadeln riecht es übrigens nicht. Wie schon die letzten Jahre. Wir haben nämlich keinen Tannenbaum. Vielleicht auch besser so. Immer dieser Stress, diese Streitereien, wer ihn aufstellen muss und wo und wie und überhaupt. Wobei das kaum einen Unterschied macht.
Die Streitereien gibt es auch so.
Dabei ist es nicht so, als würden wir uns nicht bemühen. Aber einer bemüht sich eben nicht. Wie jedes Jahr. Einer bemüht sich nie. Und dann... ja, dann... aber das ist vielleicht nicht wichtig. Ohne die üblichen Tränen geht es wohl nicht. Nur, dass sie auf Mamas Gesicht sind, diese ungebetenen Dinger, das geht mir doch etwas gegen den Strich.
Und dann erinnere ich mich an diesen einen Ausspruch. So unbedacht. So dumm. Als ob es egal wäre, an was jemand stirbt, wenn er eben doch stirbt... Blanker Unsinn. Wenn man ein Risiko ausschließen kann, muss das andere doch nicht zwangsläufig eintreten!
Aber das hat mit Weihnachten nichts zu tun.

Wir waren bei Sauerkraut. Ja, erst Sauerkraut. Bescherung. Was für ein Wort. Bescherung... Da haben wir die Bescherung. Ist das nicht eher negativ? Dann Oma. Der Kalender mit dem gemeinen Bild. Dann Christmette. Stark dezimiert. Der eine hat keine Gründe, die anderen sind verständlich, meine interessieren nicht. Außerdem bin ich zu nett. Christmette also. Und danach, ja... danach ist es vorbei. Endlich?
Nicht unbedingt. Es gibt doch trotzdem ein paar Momente, die wirklich schön sind. Ein liebes Wort, eine nette Geste, ein Brief... Ja, der Brief... Vielleicht werde ich morgen telefonieren.

Das ist es. Diese Stimmung. Eigentlich sind es eher Stimmungspunkte, die nebeneinander stehen, vereinzelt ineinander fließen, miteinander verschmelzen, sich auflösen und plötzlich wieder da sind. Als ob jede Erkenntnis, das Neue unterbrochen, sich aus vergangener Zeit, wieder aufgetaut, wieder ins Gesichtfeld unserer Wahrnehmung rückt. 

Morgiana am 24.12.07 17:35

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