Weihnachtsgeschichte

Weihnachten. Womit verbindet man Weihnachten? Mit dem Duft von Zimtsternen und Plätzchen, mit Lichterketten in den Bäumen, mit Kerzenflackern und gemütlichen Abenden am Kaminfeuer. Mit Geschichten und Liedern, mit einer Welt aus Zuckerwatte, vielleicht auch mit dem großen Mann mit dem Rauschebart. Die Welt ist dann wie verzaubert, ein Märchenland voller kleiner Wunder, die einen jeden Tag aufs Neue überraschen.

Genau so stellte sich auch Marie Weihnachten vor. Oft genug hatte sie es schon gefeiert, siebenmal bis jetzt, und immer wieder hatte sie der Duft der Kerzen und dieses nervenzehrende Warten auf den heiligen Abend mit einer Freude erfüllt, die es nur zu dieser Zeit geben konnte. Mit eben dieser freudvollen Erwartung stand sie schon in der Zeit vor dem Advent jeden Tag auf, ging damit in die Schule und behielt sie den ganzen Tag über. Weihnachten, das war einfach die tollste Zeit im Jahr, auf die sie sich immer wieder freute.

Aber Marie war krank.

Der Hausarzt hatte die kleine Familie in ein Krankenhaus geschickt, in dem man bald feststellte, dass Marie an einer unheilbaren Krebsart erkrankt war und ihr nicht mehr viel Zeit zu leben blieb. Ja, es war ein gewaltiger Schock, als Maries Eltern diese Nachricht erhielten. Ihr kleines Mädchen sollte Krebs haben… Dass man ihnen riet, dem Kind jeden Wunsch zu erfüllen, ja, von den Augen abzulesen, beherzigten sie nur zu gerne. Marie hätte alles haben können – Reisen in ferne Länder, die Puppe, die sie schon so lange haben wollte, ein neues Zimmer… Aber sie wollte doch nur ein schönes Weihnachtsfest haben. Einzig und allein das war ihr Wunsch, denn langsam begannen auch schon die Vorbereitungen für die Adventszeit.

Aber die Zeit drängte, es war nicht sicher, ob Marie an dem heiligen Abend überhaupt noch leben würde. Und wenigstens diesen einen Wunsch wollte man ihr erfüllen – aber wie? Ihr Vater redete eines Abends mit dem Dorflehrer darüber und der hatte die zündende Idee. Weihnachten sollte einfach verschoben werden!

Die Zweifel waren schnell wie weggeblasen, als sich die Ladeninhaber dazu bereiterklärten, alles weihnachtlich zu gestalten, die Mütter und Väter, die Lehrer sangen Weihnachtslieder in der Schule… Der Konditor hatte wie jedes Jahr ein großes Schiff aus Schokolade in sein Schaufenster gestellt, vor dem die Kinder standen und sich die Nasen platt drückten. Ja, auch die Kinder spielten mit, das ganze Dorf wurde nur von dem schrecklichen Schicksal Maries zusammengehalten. Und auch als der Pfarrer gefragt wurde, erklärte er sich einverstanden. Ja, er konnte das Weihnachtsfest verschieben.

Und so ging es dann in dem Dörfchen los, die Mütter buken Plätzchen mit ihren Kindern, Weihnachtsbäume wurden geschmückt, Geschenke verpackt und bald zog der herrliche Duft nach Weihnachten in jedes kleinste Winkelchen des Dorfes. Als Marie sich über den ungewöhnlichen Zeitpunkt Weihnachtens wunderte, erklärte man ihr, das wäre so. Auch Ostern fiele ja schließlich immer auf einen anderen Tag, so wäre es dieses Jahr mit Weihnachten auch – und so freute sich das Mädchen einfach nur über all die wundersamen Dinge und genoss jeden neuen Tag in dieser Märchenwunderwelt.

Und so rückte der heilige Abend heran, man hatte ihn für den zweiten Advent geplant. Das Warten wurde immer spannender und es fiel sogar Schnee. Jene Watte, die das Dorf von einen Tag auf den anderen vollkommen verändern konnte. Es wurde das schönste Weihnachtsfest, was Marie je gehabt hatte.

Drei Tage später war Marie tot.

Diese Geschichte hat uns heute der Pater im Gottesdienst erzählt. Irgendwie hat sie mich berührt, deswegen hab ich sie aufgeschrieben. Sie beruht auf einer wahren Begebenheit.

Sonna am 14.12.07 20:08

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