Angst

Wieder was gelernt… Angst und Furcht sind zwei völlig verschiedene Begriffe: Furcht bezieht sich immer auf eine reale Bedrohung, Angst dagegen ist ein ungerichteter Gefühlszustand.
Danke Wikipedia.

Und was sagt mir das jetzt? Ich habe also Angst. Aber kann Angst zugleich Furcht sein, wenn man sie vor etwas Realem empfindet, das sich noch nicht festmachen lässt? Wenn man noch nicht sicher sein kann? Oder wenn sie so stark ist, dass es keineswegs mehr ein ungerichteter Gefühlszustand ist?
Wie auch immer… Die Angst, die ich meine… sie war lange weg. Ich hab sie nicht vermisst, sie hätte gern noch länger Urlaub machen können, hätte sich meinetwegen auch gern in die Karibik absetzen können.

Ich hatte Hoffnung geschöpft. Wir alle. Haben wieder begonnen zu atmen, zu leben, zu fühlen. Alles was ich jetzt fühle, ist Angst.
So viel Angst, dass mir übel wird, schwindelig, dass ich an nichts anderes mehr denken kann. Diese Angst ist nicht ungerichtet. Sie ist so konkret, dass ich schreien möchte und gleichzeitig doch ungewiss genug, um mich schweigen zu lassen. Ich wünsche mir nichts mehr, als jemanden davon zu erzählen, vielleicht nur, um ein „Alles wird gut, mach dir keine Sorgen“ zu hören… Aber ich kann nicht und weiß nicht mal, wieso. Wenn mich jemand fragt, was los ist, warum ich so still bin, sehe ich mich nur mit den Schultern zucken und weggehen. Vielleicht, um den Teufel nicht an die Wand zu malen, um das vielleicht Geschehene, das vielleicht Geschehenwerdende nicht zu real werden zu lassen.

Ich will stark sein, muss doch. Mach doch alles nur noch schlimmer. Schlimmer, als es vielleicht war, ist, sein wird. Mach alles nur schlimmer, wenn ich nicht stark genug bin. Ich will ja, aber ich kann nicht! Ich kann nicht stark sein! Ich will nicht stark sein…
Ich schaffe es nicht. Nicht schon wieder. Nicht mehr.
Noch einmal die Ungewissheit, das Bangen, die Trauer, das Hoffen, die Enttäuschung… warten, erneut Hoffnung schöpfen, atmen, leben, fühlen… und dann? Ist das nicht genug? Muss es immer mehr sein? Immer mehr werden?

Manchmal kommt es mir vor wie eine grausame Verschwörung, als hätte irgendjemand einen Heidenspaß daran, uns so ungewiss, bangend, trauernd, enttäuscht zu sehen. So trostlos.
Und ich will schreien und fluchen, vielleicht nur, um die Angst durch Wut zu ersetzen… Vielleicht nur, um jemanden die Schuld geben zu können.
Doch dann bereue ich es, hab mir vielleicht die letzte Chance verspielt. Hab vielleicht alles verdorben. Selbst Schuld daran.
Vielleicht muss nicht immer jemand Schuld an etwas sein, vielleicht ist der Begriff Schuld zu persönlich für eine Sache wie diese. Muss man nicht erst vor einer Wahl stehen und die falsche Möglichkeit wählen, um sich schuldig zu machen?

Haben wir etwas falsch gemacht? Haben wir die Chance verpasst? Wurden wir überhaupt jemals vor eine Wahl gestellt? Gab es jemals eine Wahl? Wenn ja, dann haben wir sie verpasst. Irgendwas ist schief gelaufen. Ist so gründlich schief gelaufen, dass ich nicht mehr weiß, wohin. Dass ich nicht mehr denken kann. Nicht mehr lachen kann. Nicht mehr essen und schlafen kann, obwohl ich unendlich müde bin. Ich will mich hinlegen und erst wieder aufwachen, wenn alles wieder in Ordnung ist. Ich will lachen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ohne daran denken zu müssen, aber da ist nur Angst, die ich nicht bekämpfen kann, da sind nur Tränen, die ich nicht weinen kann.

Muss stark sein, muss warten, bangen, hoffen… beten? Weiß noch zu gut, was zu dieser Zeit vor zwei Jahren passiert ist. Weiß noch viel zu gut, wie es sich angefühlt hat, wie es sich anfühlt, wie es sich anfühlen wird. Hab solche Angst.

So große Angst, den liebsten Mensch auf dieser Erde…

zu verlieren.

Angst.

Morgiana am 15.5.07 20:00

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